Social Media & NGOs - Empfehlungen von Annette Schwindt

27
JAN
2015

Portrait:Annette SchwindtAnnette Schwindt © Michèle Lichte

Viele Organisationen nutzen soziale Medien für ihr ehrenamtliches Engagement - das haben wir anhand der vielen tollen Beispiele beim Smart Hero Award 2014 gesehen. Um weitere Unterstützung zu geben, starten wir heute eine neue Interviewreihe mit Menschen, die sich tagtäglich mit sozialen Medien beschäftigen. Zum Start sprechen wir mit der Kommunikationsberaterin Annette Schwindt. Ihr Blog “In Sachen Kommunikation“ gehört zu den beliebtesten deutschsprachigen Social-Media-Blogs.

Liebe Frau Schwindt, kleinere Organisationen und Initiativen, die sich ehrenamtlich engagieren, haben häufig sehr viel weniger Ressourcen und auch finanzielle Mittel, um sich in sozialen Medien zu engagieren, als große Unternehmen. Was ist Ihre Empfehlung, wie ein erfolgreiches Social Media-Engagement trotzdem gelingen kann?

Da heutzutage fürs Onlinegehen kein stationärer PC mehr nötig ist, kann man das bequem nebenbei vom Smartphone aus betreuen. Lediglich die Einrichtung und Eingewöhnung bedarf eben Zeit. Mit Tools, die das Planen von Beiträgen zulassen, ist man außerdem nicht gezwungen, immer dann online zu sein, wenn etwas gepostet werden soll. Facebook hat sogar eine eigene Planungsfunktion. Wichtig ist nur, dass man auf Fragen und Followerbeiträge möglichst zeitnah reagiert. Aber auch das geht problemlos über die mobilen Apps.

Was sind Ihrer Meinung die häufigsten Fehler von NGOs im Umgang mit sozialen Medien?

Dass sie sie als Einwegkanal zum Monologisieren missverstehen. Das bedeutet, es wird nicht auf den Mehrwert für die Follower geachtet, sondern nur pressemitteilungsmäßig Aussage nach Aussage rausgehauen. Die Beiträge enthalten außerdem keine Ansprache an die Leser, erfolgen zu unregelmäßig und auf Kommentare oder Followerbeiträge wird nicht eingegangen.

Was ist Ihrer Erfahrung heraus besonders wichtig, wenn man soziale Medien für sich nutzen will? Worüber sollte man sich unbedingt Gedanken machen?

Kommunikation im Social Web ist Dialogkommunikation. Also raus aus dem eigenen Kopf und sich in die Lage der potentiellen Follower versetzen! Was suchen die, was interessiert die? Ist unsere Seite leicht auffindbar, weil gut mit unseren sonstigen Präsenzen im Web vernetzt? Gibt es eine Strategie für die Nutzung? Sind die einzelnen Beiträge aus sich heraus verständlich, auch wenn man nicht vorher weiß, worum es geht? Ist unsere Sprache gut verständlich?

Gibt es bestimmte Tools oder Werkzeuge, die aus Ihrer Erfahrung heraus hilfreich sein können im Management sozialer Medien? Was sind Ihre Geheimtipps?

Zuhören, Zuhören, Zuhören! Fragen beantworten, Fragen stellen, Themen aufgreifen, Danke sagen, den Followern zeigen, dass man sie wahr- und ernst nimmt! Dazu braucht man zunächst mal den gesunden Menschenverstand und erst dann die Technik, die die Kommunikation ins Digitale übersetzt.

Was sind für Sie die größten Vorteile bei der Social Media-Nutzung im Vergleich zu den klassischen Werkzeugen der Kommunikation?

Die Unmittelbarkeit (Mensch 1 kommuniziert direkt mit Mensch 2), die Schnelligkeit unabhängig von räumlicher Distanz und dass sie Kommunikation weg vom unpersönlichen Werbegeschrei wieder hin zum Miteinander-Reden vom Menschen und Geschichtenerzählen lenkt.

Facebook, Twitter, YouTube & Co. verändern sich sehr schnell. Wie halten Sie sich auf dem Laufenden und welche Informationsquellen können Sie NGOs dringend empfehlen?

Es gibt für alles Fachblogs und - für die weniger aktuelle, sondern mehr generelle Information - auch Fachbücher. Wenn man das Thema, das einen jeweils interessiert, in die Suchmaschine eingibt, findet man die sehr schnell. Diesen Blogs kann man dann entweder direkt oder via Social Media folgen und sich so automatisch auf dem Laufenden halten lassen. Manche Blogs bieten zusätzlich auch Newsletter an.

Liebe Frau Schwindt, vielen Dank für das aufschlussreiche Interview.

Annette Schwindt, im Web bekannt als schwindt-pr, ist Beraterin für (digitale) Kommunikation. Ihr Blog “In Sachen Kommunikation“ gehört zu den beliebtesten deutschsprachigen Social-Media-Blogs. Dort schreibt sie seit 2009 über Facebook und Co. Neben ihrer Beratertätigkeit ist sie außerdem als Mentorin sowie als freie Journalistin für verschiedene Fachmagazine aktiv. Annette Schwindt lebt und arbeitet in Bonn.